Mittwoch, 2.9.2026
Beim Aufstehen begrüßen uns ein paar Schafe am Gatter zur Hütte. Auch heute haben wir fantastisches Wetter und es soll auch den ganzen Tag so bleiben. Wir haben also Zeit genug für den Weg zum Guttenberghaus.
Nachdem wir die Schafe begrüßt haben, starten wir gegen 8:00h in den Steig Nr. 615, der direkt hinter der Hütte beginnt. Nach nur wenigen Schritten kommt eine erste kleine Kletterstelle. So früh am Morgen löst dies bei Brigitte und Heike ein mulmiges Gefühl im Magen aus. Aber das legt sich glücklicherweise schnell. Kletterstellen im 1. Grad wechseln sich mit dem Wanderweg ab. Danach kommt noch ein kurzes Stück, bei dem es rechts und links heruntergeht. Gut, wenn man schwindelfrei ist. Bis auf 2-3 kurze Ausnahmen ist der Weg wirklich gut zu laufen und stellt für uns kein Problem dar. Nach einer ¾ Std. kommt eine kurze, seilversicherte Stelle und man könnte glauben, den Klettersteig erreicht zu haben. Ein Irrtum, denn es dauert danach noch eine ganze Weile bis zum Einstieg des Klettersteig. Schließlich haben wir gerade mal die Unterquerung der Seilbahn erreicht.
Nach ca. 1½ Stunden erreichen wir eine unangenehme, etwas problematische Stelle, hervorgerufen durch eine Rinne. Der Weg ist quasi verschwunden und aus der Rinne geht es ziemlich steil auf sandigem Boden hoch. Da heißt es beherzt antreten, den Stufen lassen sich aufgrund des sandigen Bodens nicht bilden.
Der Klettersteig ist mit A/B bewertet. Möglicherweise erreichen 1-2 Stellen auch den Schwierigkeitsgrad C. Aber insgesamt ist der Steig gut machbar und bereitet keine Schwierigkeiten.
Gegen 11:45h erreichen wir die Hunerscharte und sind froh nicht mit der Gondel hoch gefahren zu sein. Der Aufstieg und der Klettersteig haben einfach Spaß gemacht. Brigitte, die den Gletscher vom Skilaufen her kennt, ist entsetzt über die Aussicht auf den schwindenden Gletscher.
Da wir die den Schladminger Gletscher überqueren müssen, hatten wir uns eine Woche vorher telefonisch auf der Seethaler Hütte nach den Verhältnissen erkundigt. Die Empfehlung war, auf jeden Fall Grödel anzuziehen, weil der Gletscher aper sei und nur noch aus purem Eis bestehe.
Am heutigen, relativ warmen Tag und zur Mittagszeit ist die oberste Schicht stellenweise bereits ziemlich sulzig. Dennoch ziehen wir die Grödel an. Schließlich haben wir sie ja auch bis hierhin getragen.
Von der Hunerscharte aus betrachtet ist der Weg eigentlich ziemlich klar. Problematisch ist nur, dass der erkennbare, gewalzte Weg über den Gletscher so gar nicht mir unserem GPX Track übereinstimmt. Auch auf unserer Freytag & Berndt Karte ist der Weg nicht eingezeichnet. Da nicht sofort ersichtlich ist, ob wir, wenn wir dem erkennbaren Weg folgen, wieder auf unseren Weg treffen und nicht irgendwo in einer Sachgasse enden, entscheiden wir uns dem Track zu folgen. Leider sind damit die Grödel überflüssig geworden, weil der Track alsbald über Fels führt. Außerdem werden wir mit zusätzlichen 50hm Aufstieg am Gjaidsteinsattel bis zur dortigen Bergrettungshütte belohnt, denn später wird sich herausstellen, dass man auch den erkennbaren Weg über den Gletscher hätte nehmen können. An der Bergrettungshütte zweigt dann auch der geplante Weg Nr. 674 ab.
Insgesamt haben wir durch die Unklarheiten fast eine Stunde im Umfeld des Gletschers eingebüßt.
Für Heike und mich sieht die hier braune und geröllige Landschaft fürchterlich aus. Brigitte hingehen findet durchaus Gefallen an dem Karstgelände. Auch dieses Gebiet war einmal vergletschert. Alte Seilstützen eines aufgegebenen Skilifts zeugen noch von besseren Zeiten. Die Karten weisen bereits keine Lifte mehr aus.
Gegen 14:15h verändert sich die Landschaft langsam und weicht sanftem, grauen Gletscherschliff mit grünen Tupfern. Endlich mal wieder Erholung für die Augen und wir machen eine ¼ Std. Pause.
Weiter geht es über die Feisterscharte Richtung Guttenberghaus. Wir haben nicht so genau geschaut, wie weit es tatsächlich noch bis zur Scharte ist und vermuten diese nach jedem Aufschwung, nur um anschließend eine weitere Enttäuschung zu erleben. Zermürbend.
Dann endlich, 2 Std. später, stehen wir an der Feisterscharte. Das Guttenberghaus ist bereits zu sehen und 20 Minuten später, nach einer Senke von 70hm, auch erreicht.
Dort angekommen belohnen wir und mit sehr leckerem Mohnkuchen. Irgendwie muss das Ganze ja auch Sinn ergeben.
