2020 – Karwendel – 03 Montag


Montag, 07.09.2020

Nach einem guten Frühstück brechen wir um 8:00 Uhr auf. Wir wollen den Toni-Gaugg-Steig zum Karwendelhaus laufen. Nebel liegt noch im Tal aber wir hoffen, dass es sich aufklart. Die aktuelle Wetterlage ist viel besser als die ursprüngliche Wettervorhersage. Es regnet nicht mehr und größere Regenmengen sind nicht angekündigt. Die Alternative wäre, den am Vortag erklommenen Weg ein Stück abzusteigen und dann unten herum über den Nordalpenweg zum Karwendelhaus aufzusteigen.

Ein kurzes Stück führt durch Tannen und Latschenkiefern hindurch und schon sind wir über der Baumgrenze wo der Weg auch steiler wird. Wir lassen auch diese hinter uns und der Weg zieht sich im weiteren Verlauf weiter am Bergrücken stetig nach oben. Nach ca. 1,5 Stunden kommen wir zu einer kleinen Geröllscharte, rutschig geht es ein kurzes Stück herunter. Nachdem wir dieses geschafft haben zieht sich der Weg weiter schottrig den Berghang entlang, später teilweise weglos über Wiese und Karstflächen. Nebel zieht aus dem Tal hinauf und wir hoffen auf baldige bessere Sicht . Auf der Karstfläche sind abseits der Wege größere Löcher. Ist es hier richtig nebelig, kann man gut die Orientierung verlieren. Bei klarer Sicht hat man dagegen bestimmt eine tolle Aussicht.

Kurz vor 12:00 Uhr, knapp 4 Stunden nach dem Aufbruch, erreichen wir eine Kletterstelle im 2. Grad. Oben angekommen geht es auf der anderen Seite hinunter zur Breitgrieskarscharte. Annikas leichte Höhenangst zerrt an ihren Nerven und sie mag nicht weitergehen. Ein Wanderer kommt uns aus umgekehrter Richtung entgegen und erzählt, dass der Brendelsteig an einigen Stellen auch sehr steil wäre und die Kletterstellen nicht so einfach. Nach kurzer Besprechung entschließen wir uns gemeinsam umzukehren, da uns auch keine Möglichkeit einfällt, mit Hilfe unseres 20m Seiles im exponierten Bereich an der Scharte zu sichern Der Nebel lichtet sich nicht und verstärkt das Unwohlsein. Die Kletterstelle wieder abzuklettern ist spannender als im Aufstieg, aber nach kurzer Zeit ist auch dieses geschafft. Den weiteren Wegverlauf kennen wir ja vom Aufstieg, nur die Geröllscharte wieder hoch zu steigen erfordert noch einmal Kraft und Geduld.

Bleibt noch die Frage „was nun?“. Eine weitere Nacht auf der Pleisenhütte oder könnte uns noch heute ein Taxi zum Karwendelhaus bringen?

Die Frage klärt sich schnell. Für das Taxi ist es schon zu spät und Andreas vereinbart für morgen einen Termin, um mit dem Hüttentaxi zum Karwendelhaus zu fahren. So rufe ich auf der Pleisenhütte an und bitte um Asyl. Die Antwort „kemm’s halt“ vom Hüttenwirt Siggi Gaugg, beschreibt am besten, dass wir auch keine vernünftige andere Möglichkeit haben.

Gegen 17:00 Uhr sind wir alle auf der Hütte treffen dort auch den Wanderer von der Scharte wieder. Im Nachhinein hat er sich gewundert, dass wir nicht weiter gegangen sind. Das schlimmste Stück hätten wir doch schon hinter uns gehabt.

Für uns war es zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall die richtige Entscheidung gewesen und unsere jungen Wanderer sind um eine Erfahrung bzgl. des Umkehrens reicher. Abends belohnen wir uns alle noch einmal mit den köstlichen Spinatknödeln.