2023 – Allgäu – 01 Samstag

 


Samstag, 02.09.2023

Früh morgen um 2:30 Uhr sitzen wir im Auto und kommen ohne besondere Vorkommnisse 6 Stunden später in Oberstdorf an. Perfekt. Nach einem Frühstück in der Holzofenbäckerei in Oberstdorf stellen wir das Auto auf einem Parkplatz ab und fahren mit einem Bus der Linie 1 nach Rizian.

Dort befördert uns die Kanzelwandbahn bequem in wenigen Minuten zur Bergstation. Was für einen Menschenmenge, die uns dort erwartet.

Von dort nehmen wir nicht den eigentlichen geplanten Weg 446 zur Fiderepass-Hütte, sondern folgen der am gestrigen Abend geborenen Idee der Hammerspitzen Überschreitung und damit bereits die ersten Gipfel einzusammeln.

Rein von der Entfernung und den Höhenmetern betrachtet waren beide Alternativen austauschbar. Außerdem, so die Annahme sollte der Weg über den Grat doch bestimmt viel interessanter und schöner sein.

Den Gipfel der Kanzelwand lassen wir links liegen, denn er ist bereits mit vielen Wanderern überfüllt. Es sieht aus wie am Mount Everest. Bis zur Walser Hammerspitze ist der Weg recht einfach. Hier gibt es auch einen Abzweig zur Fiderepass-Hütte den man nehmen könnte. Der Weg zur Hochgehrenspitze hingegen ist als „nur für Geübte“ markiert. Dennoch halten wir an unserem Plan fest und folgen dem nun auf der Karte als Pfadspur ausgewiesenem Weg.

Die Wegfindung wird spürbar anspruchsvoller und hin und wieder müssen wir auf Verdacht ein paar Meter hochgeklettert um dort nach dem Weg zu schauen.

Die erste spürbare Schwierigkeit ist die Rinne zur Hochgehrenspitze. Diese ist eng, splittrig und bietet relativ magere Tritte und Griffe. Zumindest dann, wenn man Wanderschuhe an den Füssen und einen 12kg Rucksack auf dem Rücken hat. Ich denke so an den 2 Klettergrat und dass ich die Rinne nicht unbedingt mit unserem Gepäck abklettern möchte. Heike hat anscheinend weniger Probleme und ich frage mich, was sie heute Morgen wohl genommen hat. Aber abklettern möchte sie auch nicht.

Am Gipfel der Oberstdorfer Hammerspitze (früher Schüsser), fällt und recht bald eine Bohrhakenlasche auf. Moment, Bohrhakenlasche? Die findet man in der Regel nur dort, wo gesichert wird. Was das wohl heißt wird auch schnell klar, den dort geht es 8-10 Meter senkrecht herunter. Gut, dass man im oberen Teil drei Eisenklammern angebracht hat. Wie sich später herausstellt ist die Stelle sonst mit 3- bewertet. Mit den Klammern ist es aber deutlich einfacher. Ohne die Klammern hätten wir mit unseren Rücksäcken ein Problem gehabt.

Nach einem anspruchsvollen Einstiegstag kommen wir nachmittags glücklich und zufrieden auf der Fiderepass-Hütte an. Wie sich herausstellt haben wir ein Bettenlager mit 12 Personen, welches aber sehr viel Platz bietet. Das freundliche Hüttenteam versorgt uns gut und lecker.

© Heike und Thomas Raddatz