Rosengarten – Donnerstag

 


Donnerstag, 28.8.2008

Bei perfektem Wetter verlassen wir das Rifugio Boé gegen 8:15h in Richtung Pisciadú Hütte. Für diese Strecke benötigen wir knapp 2 Stunden und somit 30 Minuten länger als angegeben. Einige Minuten gingen sicherlich für das Wechseln der Jacken, sowie für die Entscheidungsfindung “Besteigung des Pisciadú Ja oder Nein” drauf. Somit dürften wir ziemlich genau in der angegebenen Zeit gelegen haben. Der Weg zur Pisciadú Hütte ist unproblematisch und auch die Seilversicherungen kurz nach dem Cima Pisciadú bereiten keine Schwierigkeiten. Gut, dass wir uns für den Weg 666 entschieden haben. Der Alternativweg auf der anderen Talseite sieht ungleich unattraktiver aus. Geht es dort doch hauptsächlich durch Geröll.

Auf der Pisciadú Hütte stärken wir uns zunächst mit einem Radler. Danach machen wir uns gegen 10:45h auf, um durch das “Val Setus” abzusteigen. Unser Ziel ist der Einstieg zum Pisciadú Klettersteig, der “Via Ferrata Tridentina”. Der Abstieg durch das “Val Setus” beginnt mit Seilversicherungen und einem Wegstück, welches durchaus die Qualität eines leichten Klettersteigs aufweist. Wir staunen nicht schlecht über die vielen Leute, die hier aufsteigen. Unsere besondere Aufmerksamkeit erregt eine Frau im unteren Teil des “Val Setus” in einem Geröllfeld, die doch tatsächlich den Aufstieg in “Crocs” (Gummischuhen) durchführen will. Ich glaube nicht, dass sie auch nur im Entferntesten ahnt, was da noch auf sie zukommen wird.

Nach gut einer Stunde erreichen wir den Einstieg zum Klettersteig. Über uns sehen wir eine große Zahl von Kletterern im Steig und wir befürchten schon im Stau stehen zu müssen. Wir beschließen zunächst ein wenig abzuwarten und für den Fall, dass sich weitere Kletterer nähern sofort aufzubrechen. Diese Taktik geht auf. Lediglich eine Familie mit zwei Kindern wird von uns überholt. Wir hingegen lassen später zwei andere Kletterer vorbei, die kurz nach uns eingestiegen sind. Nachdem wir schon eine ganz gute Höhe erreicht haben, sehen wir unten einen älteren Mann einsteigen. Auch ihn müssen wir nach einiger Zeit passieren lassen. Uns fällt auf, dass seine Kletterausrüstung lediglich aus einer dünnen, um Brust und Schultern geschlungenen, Reep-Schnur und einem ebenso alten wie mickrigen Karabiner besteht. Den neuesten Eindruck hinterlassen noch die Asics Laufschuhe an seinen Füßen. Mit dieser Ausrüstung möchte ich keinen Klettersteig gehen.

Insgesamt ist der Piscadú Klettersteig sehr schön. Es ist also kein Wunder, dass er der wohl meist begangene Steig der Dolomiten ist. Der weitaus größte Teil des Klettersteigs kann am Fels ohne die vorhandenen Tritthilfen und ohne ins Seil zu greifen geklettert werden. Nur an ein paar wenigen Stellen ging es für mich nicht ohne Seil und Tritthilfen. Insgesamt benötigen wir für den Abstieg und den anschließenden Klettersteig 3:45h. (Abstieg 1:15h, Klettersteig 2:30h)

Zurück auf der Pisciadú Hütte gibt es zur Stärkung Apfelstrudel und Radler. Ein grandioser Tag geht zu Ende.